Vom 2. bis 5. Februar 2017 fand in Inzell die Europameisterschaft im Schlittenhunderennen statt. Wir konnten am Sonntag dabei sein und waren begeistert von den sportlichen und majestätischen Hunden und ihren kaum minder sportlichen Mushers. Wir haben Start- und Zielbereich besucht, das Rennen an verschiedenen Streckenabschnitten verfolgt und im Fahrerlager Musher Hans Reich und seine Hunde kennen gelernt.

Die Sonne lacht vom Föhnhimmel, das Thermometer kraxelt auf Plusgrade, Schnee und Eis funkeln und glitzern. Besser kann man sich Wochenendwetter nicht vorstellen. Also machen wir uns auf den Weg nach Inzell zum Schlittenhunderennen, wie viele andere Besucher auch. Neben dem Start und Zielpunkt des Trails sind beim Campingplatz Lindlbauer auch eine Musikbühne, Aussteller rund um den Schlittenhundesport und Schmankerl für unser leibliches Wohl zu finden. Am Start- und Zielbereich haben sich so viele Menschen versammelt, dass wir erst am Stake out – dem Fahrerlager und den angebundenen Hunden – vorbei müssen, um von der anderen Seite des Trails aus einen Blick auf die Sprinter zu erhaschen.

Die bereits angespannten Hunde jolen vor Freude auf den Start in den Trail und zerren immer wieder vor Aufregung und Ungeduld an den Leinen des Gespanns, sodass die Doghandler, die die Hunde bis zum Start halten und sich um sie kümmern, alle Hände voll zu tun haben.

Aufgefordert vom Moderator zählt das Publikum die Zeit runter: fünf, vier, drei, zwei, eins, go go go! Und dann starten sie pfeilschnell und jolend los, sodass die Musher zwar die Handle Bar, den Bügel fest im Griff haben, aber auf den Kufen richtig balancieren müssen, denn kurz nach dem Start kommt schon die erste Kurve. Nie hätten wir damit gerechnet, dass die Hunde in hundertstel Sekunden eine so hohe Geschwindigkeit erreichen. Sie zischen an uns vorbei.
Und schon stehen wieder die nächsten am Start, in ebenso freudiger Erwartung jolend und ungeduldig zerrend. Und go go go!

An den Start gingen insgesamt 140 Teams mit mehr als 1000 Hunden – natürlich aus Bayern, aus dem Rest von Deutschland, aus Österreich, Frankreich, Italien, Tschechien, Polen und sogar aus Rußland.

Am Trail entlang – der je nach Kategorie zwischen sechs und 31 Kilometern lang ist – hören wir von den Mushern Kommandos, wie „Gee!“ – für rechts, „Haw!“ für links, oder „Go!“, wenn mal einer aus dem „Dogteam“ – ein Hund aus dem Gespann – ins Sraucheln gekommen ist, oder sich eine „Line“ unglücklich verhakt hat und es schnell wieder weiter gehen soll. Uns fällt auf, dass manche Sprinter Hundeschuhe aus Fleece tragen. Diese so genannten „Booties“ schützen bei schlechten, oder aggressiven Schneeverhältnissen die Pfoten, wie wir erfahren. In Inzell waren die Verhältnisse am Samstag und am Sonntag durch die Sonneneinstrahlung nicht optimal. Es war zu warm und der Schnee auf dem Trail war für die Hunde sehr weich. Da ist die Verletzungsgefahr hoch und es ist natürlich auch anstrengender für die vierbeinigen Supersportler.

Dennoch konnte beinahe alles, wie geplant ablaufen. Am Donnerstag leiteten die Distanzfahrer in die Veranstaltung und die große Eröffnungsfeier ein. Am Freitag und Samstag gingen die Gespanne der verschiedenen Rassen und den Hundeklassen an den Start. Es gibt die offenene Klasse mit mehr als acht Hunden, Klasse „A“ mit Gespannen zwischen sechs und acht Hunden, Klasse „B“ mit vier bis sechs Hunden, Klasse „C“ mit drei bis vier Hunden, Klasse „D“ mit ein bis zwei Hunden und die Kategorien Pulka und Skijöring.

Eine Pulka, so haben wir uns erklären lassen, besteht aus einem Gespann, bei dem die Hunde anstatt eines Schlittens, eine Wanne mit Gewichten ziehen und der Musher ihnen auf Langlaufskiern folgt.  Beim Skijöring hingegen zieht ein Hund den Musher, der auf Skiern steht und einen Bauch, bzw. Hüftgurt um hat, mit dem er über eine „Line“ mit seinem Hund verbunden ist. Europameister in der Skijöring-Klasse wurde diesmal der dreijährige, hübsche und super sportliche Isko mit seiner 35jährigen Musher Kathi Demmelbauer aus Grossgmain, bzw, gebürtig aus Bad Reichenhall.

Kinder konnten übrigens auch mal das Mushersein ausprobieren. Natürlich unter Aufsicht und auf einer eigenen Probestrecke. Schöne Idee!
Und noch etwas ist gut zu wissen: Obwohl Besucherhunde gern gesehene Gäste sind, so ist es wichtig, sie so weit wie möglich vom Trail fern zu halten. Am besten mindestens 10 Meter. Die vierbeinigen Supersportler strengen sich nämlich gehörig an und da wäre es doch schade, wenn ihre Zeit geschmälert wird, weil sie von den Besucherhunden irritiert werden.
Mit Rücksicht macht es noch mehr Spaß!

Als wir am Nachmittag nochmal durch das „Stake out“ schlenderten, trafen wir auf Duke, Diamond, Dancer und Dreamer – vier von acht stolzen, majestätischen, absolut freundlichen und neugierigen Hunden des 65jährigen Musher Hans Reich aus Peißenberg. Er erlaubte uns, sie zu kraulen und beantwortete unsere Fragen. Zwischen 10 und 11 Jahren sind seine Hunde alt und haben sogar schon den dritten Platz bei einer WM belegt. Als „Senioren“ geht es ihnen jetzt nicht mehr um Preise, sondern einfach um das Laufen und schöne Erlebnisse. Sie wären unglücklich, wenn sie keine Trails mehr in Angriff nehmen könnten und kein Trainingsziel mehr hätten. Sie wollen in Bewegung bleiben, das merkt man ihnen an. Ab September, erzählt Hans Reich, trainieren er und seine Frau ihre Hunde mit einem bereiften Wagen. Das Training fangen sie langsam und gemütlich mit ein bis zwei Kilometern Trail an und steigern sich von Tag zu Tag, von Woche zu Woche – wie es ihnen gut tut und Spaß macht. Die Hunde zeigen einem das, sagt er. Und wie wir sehen, macht es ihnen richtig viel Spaß hier und heute dabei sein zu können. Sie wirken allesamt glücklich und zufrieden – irgendwie Reich eben! Wir haben dieses wundervolle Gespann ins Herz geschlossen.

Schwer beeindruckt sind wir und kommen sicher im nächsten Jahr wieder, wenn das Wetter mitspielt, ausreichend Schnee liegt und die Hunde und ihre Musher wieder voller Tatendrang sind.

Super Sache!
Danke an den SC Weissenbach, an alle Sportler, an Camping Lindlbauer und an die Inzeller natürlich.

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